Biel

Biel, die Vorbereitung

Biel 2005
Nach einigen GMH's kommt unweigerlich mal der Gedanke sich in Biel zu versuchen.
Biel ist ein 100 km Ultramarathon in der Schweiz. Aber wie bereitet man sich auf 100 km vor?
Das wichtigste ist erst einmal sich anzumelden. Dieses habe ich zusammen mit meinem Sparringspartner Dieter Stolz im Februar getan und seit dem gibt es kein zurück mehr. Mit bei der Partie waren wie immer Annette Hamm und Wolfgang Ruh, die sich jedoch "nur" auf die normalen "Marathons" vorbereiten wollten.
Damit bestand das Frühjahr aus einer Reihe langer Läufe, vorzugsweise wurden diese am Samstag gelaufen. Dennoch hatte ich mir in den Kopf gesetzt sowohl die Halbmarathonbestzeit als auch eine neue Marathonbestzeit zu knacken. Also musste auch Tempotraining gemacht werden. Die Idee ist zweifellos verrückt, Biel zu laufen und Tempobestzeiten zu laufen. Damit es nicht zu einfach wird, wurde auch die Zeit für Biel festgelegt, nämlich unter 12 h zu bleiben. Hochgesteckte Ziele, aber warum nicht? Alle sagten mir, das das nicht geht, was umso mehr ein Anreiz ist das zu probieren. So wurde nun Tempotraining mit den mittleren und langen Einheiten kombiniert. Über das gute LC-Tempotraining und die Wettkämpfe der Winterlaufserie steigerte sich meine Grundschnelligkeit und ich war beim Halbmarathon der Winterlaufserie mit 1h:33m:58s deutlich unter meiner bisherigen Bestzeit. Das machte Hoffnung für den Karstadt-Marathon, den ich unter 3h:30min laufen wollte. Meine Sparringspartner Dieter, Wolfgang und Annette nahmen diese Strecke als lockere lange Einheit in Ihren Trainingsplan auf. Ebenso Bernd Wagner, der aber die Strecke von zu Hause anging und auch fast wieder bis nach Hause lief (Er ist an dem Tag bestimmt 80 km gelaufen). Oberhausen war der nähere Startplatz und so entschlossen wir uns dort zu starten. Erst hinterher war uns klar, das das nicht die "einfache" Strecke war, denn ein großer Teil der Strecke ging es einfach nur bergauf. Stimmt natürlich, denn man läuft ja grob Ruhr aufwärts, nicht wie die Dortmunder Ruhr abwärts. Da wir uns festgelegt hatten, musste es gehen. Leider schaffte ich die 3h:30m nicht ganz, 2 min verlor ich, weil ich dringend auf eine Toilette musste und den Rest verlor ich durch mangelnde Kraft auf den letzten "Bergetappen". So kam ich zwar nur mit 3h35m:42s ins Ziel, dennoch klare persönliche Bestleistung. Damit konnte ich nun die folgenden Tempotrainingseinheiten gegen Hügeleinheiten im Mülheimer Stadtwald mit Dieter austauschen, da ich ja bereits zwei Jahresziele erreicht hatte.
Am 30. April, nach einer 30 km Einheit verletzte ich mich dabei, ein Malzbier aus dem Keller zu holen. Ein Schmerz im Muskel des linken Oberschenkels oberhalb des Knies war ein wenig unangenehm. Noch nichts Böses ahnend bin ich am nächsten Tag beim traditionellen Halbmarathon in Flüren gestartet. Bis zu km 6 war alles im grünen Bereich, bis der Muskel vom Vortag wieder schmerzte. Nach 10 km hat mich Lauffreund Wolfgang Heiden überzeugt auszusteigen, um das Ziel "Biel" nicht zu gefährden. Am nächsten Tag war ich beim Arzt, der mich sorgfältig untersuchte und eine Zerrung diagnostizierte. Er gab mir Ibuprophen und 3 Tage Laufverbot, was ich auch strickt einhielt. Am Donnerstag gab es die erste 8 km Einheit, ganz locker in 55 min und am Samstag bei der 30 km Einheit war alles wieder im Lot. Eine Woche später war ich mit Annette, Dieter und Wolfgang wieder auf einem 30er Trip. Vor dem Lauf war mir schon kalt gewesen und richtig gut fühlte ich mich nicht. Es sah nach dem Anflug einer Erkältung aus. Aber Training kann man ja nicht sausen lassen. Bei km 25 bin ich dann ausgestiegen und habe mich zur Dusche fahren lassen. Ich habe gefroren und selbst unter der warmen Dusche wurde mir nicht richtig warm. Zu Hause habe ich mich ins Bett gelegt und war dann für 36 h im Bett verschwunden. Nach einer Fiebernacht kam unangenehmer Husten dazu. Jetzt hatte ich auch das, was meine Kinder und meine Frau seit Tagen mit sich rumschleppten. An Training war absolut nicht zu denken. Schließlich war ich noch einmal beim Hausarzt, der mir Hustentabletten verschrieben hat, damit das wenigstens ein Ende hatte. Erneutes Laufverbot für das Wochenende und auch für die Tage danach. Schließlich konnte ich dann am 26. Mai wieder einen 30er machen, der bei satten 30°C ziemlich anstrengend war. Am nächsten Tag wollten Dieter und Bernd noch einmal eine 3 h Tour machen, ich hatte mich Ihnen zunächst angeschlossen, bei über 30°C und der Anstrengung vom Tag zuvor, war ich ein wenig schlapp und trennte mich nach ca. 1,5 h von den beiden, die unbedingt 3 h laufen wollten. Ich war nach 2h:35m unter der Dusche, für mich war es ausreichend genug.
Eine lockere Einheit und 15 km am Samstag rundeten die Woche ab. Die folgende Woche verlief ohne Probleme und so konnte am 5. Juni der Rhein-Ruhr-Marathon stattfinden. Der ging erstaunlich locker und es war mein erster Marathon, in dem ich in der ersten Hälfte langsamer war, wie in der zweiten. Mit 3h:53m:16s war ich im Ziel und nicht richtig kaputt. Das war nun die letzte lange Einheit vor Biel. Schon am Montag war ein leichter 15 km Lauf mit Bernd Wagner drin und am Mittwoch folgte einen gemütlicher "21er". Schliesslich wurde die letzte Einheit vor Biel am 11.6.2005 gelaufen, ein lockerer Selbeck-Lauf in 2h:00m. Netter Weise wurden wir von Annette im Ziel begrüßt mit einem hilfreichen Spruch an der Wand "Tjschaka, Ihr schafft das !". Zusätzlich war der Tisch noch nett eingedeckt, der Kaffee war fertig und der Kuchen von Dieter sah auch lecker aus. Das ist doch wirklich toll, oder?
Die Sprüche, die wir gemeinsam auf dem letzten Lauf geklopft haben, erwähne ich hier lieber nicht, oder sollte ich doch? Es war ein sehr schöner Ausklang der Vorbereitung auf den Lauf in Biel.
Nun heißt es "Rausnehmen". Dennoch die bange Frage: War das nun genug, war es zu wenig? Hätte ich vielleicht doch keine Bestzeiten UND Biel anstreben sollen? Wir werden sehen.



Biel, der Lauf

16.6.2005
Nach meiner Arbeit kam ich nach Hause, wo ich sogleich begann meine Sachen für den Tag danach zu packen. Warme Sachen waren laut Wetterbericht nicht erforderlich, also waren nur T-Shirts, kurze Hose und Socken angesagt. Aus den Erfahrungen von Dieter Stolz hatte ich sicherheitshalber zwei Paar eingepackt, denn wenn Socken beim Anziehen reißen, kann das für den Lauf sehr unangenehm werden. Ein zweites paar Schnürsenkel sicherten mich vor einer Fehlfunktion der Schuhriemen.
17.6.2005
Der Tag der Tage für die Nacht der Nächte war gekommen. Pünktlich um 6:00 Uhr weckte mich mein Sohn Pascal, denn ich sollte ja nach Biel zum "Joggen" fahren. Nach dem Frühstück und der letzten Gepäckkontrolle wurde ich von der Familie zum Bahnhof nach Duisburg gebracht. Dort wartete Dieter bereits auf mich und wir gingen zunächst erst mal einen Kaffee trinken: Schließlich holten wir uns noch ein paar Brötchen, Bananen und Sprudelwasser für die Zugfahrt. So gerüstet konnte nichts schief gehen. In Düsseldorf stieg Karl-Ernst in unseren Zug ein und nach kurzer Begrüßung diskutierten wir über das anstehende Ereignis. Mitfahrer in unserem Wagen lauschten ehrfurchtsvoll unseren Ausführungen, was wir denn so vorhatten. Nach einer kurzweiligen Bahnfahrt erreichten wie Basel HBF zur Weiterfahrt nach Biel. Biel erreichten wir so etwa gegen 15:00 Uhr und waren wenig später im "Park Fermet", wo sich alle Läufer an der der Eissporthalle und den umliegenden Sportanlagen niedergelassen hatten. Einige LC-Kollegen waren schon da und wir sammelten unsn uns beim Wagen von Gerd und Renate Tillmann. Um 16:00 Uhr gab es die Startunterlagen und anschließend hauten wir uns noch einen Berg Spagetti mit einer leckeren Fleischsoße rein. So gestärkt hieß es warten. Die Temperaturen lagen zu diesem Zeitpunkt schon recht hoch bei 28-30°C, so dass Wasser trinken und ausruhen zur Haupttätigkeit wurde. Die Sonne verschwand langsam hinter den Bäumen, leider verschwand unsere Nervosität nicht. Um 21:00 Uhr war Fototermin, 21:45 Uhr ging es in den Startblock. Pünktlich (wie es in der Schweiz üblich ist) ging es um 22:00 Uhr los. Nun war die Frage wo die Startmatte war, sie war nicht zu sehen. Scheinbar gab sie es auch nicht, der Startschuss löste die Uhr aus und so gab es keine Brutto- oder Nettozeit am Ende des Rennens. Der geneigte Leser mag sich Fragen stellen, ob die 2 Minuten mehr oder weniger bei einer Laufzeit von mehr als 10 h relevant sind. Sie sind es natürlich nicht, es sei denn man läuft eine Zeit von 12:01 und netto wäre es 11:59 gewesen. Derartige magische Zeitmarken möchte man ungern überschreiten.
Dieter und ich hatten uns zusammengefunden und beschlossen den Lauf im ersten Teil gemeinsam zu laufen, waren aber übereingekommen nicht auf den andern zu warten, wenn es mal nicht so läuft, da man seinen eigenen Rhythmus stört, was am Ende auch nicht gut ist. Wir bremsten uns gegenseitig gut ab, so dass wir schnell in ein Tempo von 6min:50s für einen km kamen. Am Anfang "überpasen" wäre am Ende sicher übel gewesen. Am Ende des Laufes war durch die Auswertung auch klar, das das die einzige vernünftige Taktik war. Zu schnelles angehen war für viele zwar nicht das vorzeitige Ende, aber ein Ende, was sich seeehr lange hinauszog. Davon aber später mehr.
In der Innenstadt von Biel war die Hitze natürlich groß. Die Luft stand und hatte sich gegenüber dem Nachmittag hier noch nicht wirklich abgekühlt. Party war in allen Strassen, die wir passierten. Nach etwa 8 km kam die erste Steigung, zunächst noch nicht richtig steil, aber als wir um die Ecke kamen ging es knackig nach oben. Den Rat von Bernd Wagner folgend sind wir dort schnell gegangen. Kurze Zeitspäter ging es auch schon wieder herunter und laut Streckenprofil sollte dann ja erst mal kein Hügelchen kommen. Tatsächlich waren mal immer wieder kleine, aber gemeine Anstiege auf der Strecke und die Gefälle so flach, das sie nicht wirklich auffallen. Biel ließen wir nun hinter uns, die 10 km Markierung zeigte uns, das wir gut im Tempo waren. Die Dämmerung war schon gut fortschritten, der Horizont glühte rot und der Himmel war wolkenlos. Die Begleiter der nächsten Stunden waren die Läufer auf der Strecke und die Sterne am Himmel. In Richtung Aarberg ging es grob nach Süden, der Mond schien etwa 3/4 voll und beleuchtete die Strecke, die übrigens sehr gut ausgeschildert und abgesperrt war. Saturn stand tief im Westen, Jupiter war westlich vom Mond sehr gut zu sehen. So um Mitternacht war es dann schon ziemlich dunkel. Dieter und mir ging es gut und das Tempo war in Ordnung. Die Verpflegungsstände wurden immer angelaufen und genutzt. Es gab zu Beginn Wasser, isotonische Getränke und Tee, der wirklich sehr gut war. Später wurde die Menüfolge noch durch Müsliriegel und magnesiumhaltige Knuspereinen ergänzt. Nicht zu vergessen die Bananen und Apfelsinen zum Nachtisch. Zum Teil gab es auch noch "Vorsuppe", leckere Fleischbrühe, die ich gerne ab km 30 getrunken habe.
Km 15 passierten wir gemäß Plan. Bei km 18 mussten wir über eine Brücke, normal nichts besonderes, nur hier war die Brücke komplett beleuchtet. Party vor der Brücke, Party auf der Brücke und Party hinter der Brücke. Das munterte auf, denn so langsam kam ein wenig Müdigkeit auf. Wir wurden jedoch durch das aufleuchten eines LC-Trikos wach, Renate Tillmann lief munter vor uns her. Sie kämpfte mit ihrem MP3-Player, die Technik streikte ein wenig. Wir zogen jedoch langsam an ihr vorbei, wünschten noch alles gute für den Rest der Strecke. 1 km weiter waren wieder LC-Trikos zu sehen. Diesmal war es die Truppe um Wolfgang Lupp. Nach kurzem Schwätzchen nahmen Dieter und ich unser eigenes Tempo wieder auf und liesen die Kollegen hinter uns. Nach der 20 km Marke hieß es klettern, denn die nächsten 8 km ging’s einfach nur rauf, mal steil, mal weniger steil, aber eben rauf. Bei km 28 hieß der Ort Grossaffoltern - ein bisschen "grossaf Folter" war das schon. Ab km 29 ging es dann wieder etwas bergab. Dieter war gut drauf und drehte etwas auf. Bei km 33 hatte ich das Gefühl nur noch ins Bett zu wollen. Wenn an der Strecke ein Bett gestanden hätte, ich wäre hineingegangen, egal wer da drin gewesen wäre. Der Schritt lief nicht mehr rund und Dieter zog dann etwas von mir weg (ca. 200m). Mir gingen nun 1000 Gedanken durch den Kopf, aufgeben (es waren ja noch 65 km), Gehpause machen, langsamer werden? Ich schaute wieder nach vorne und dachte: "Dieter kann ich nicht alleine lassen!" So arbeitete ich mich wieder an Dieter ran. Bei km 37 hatte ich mein Tief überwunden, aber nun schwächelte Dieter ein wenig. Es folgte ein kurzer, aber ernster Kampf mit dem inneren Schweinehund, der für den Schweinehund verloren ging. Die erste Zwischenwertung nahte und wir passierten die 38,5 km Marke in 4h:21m. Ganz ok für das was wir uns vorgenommen hatten.
Zum Marathon gings wieder mal bergauf, was Dieter und mich nun nicht mehr schocken konnte. Nun folgte eine Passage die etwas bergabging und so war die 50 km Schallmauer nach 5h:40m durchbrochen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Dieter und ich einen Schnitt von etwa 6m:50s/km gelaufen. Es ging vorbei an einem Erdbeerfeld, was man nicht sehen aber riechen konnte. Da träumt man gerne von einem Brot mit Erdbeermarmelade. Der nächste Versorgungspunkt in Kirchberg war mir dank Wolfgang Ruh bekannt, denn dahinter bog die Strecke auf den Emmendamm ab, der von Insidern ehrfurchtsvoll "Ho Chi Ming Pfad" genannt wird. Leider mußte ich vorher in die Büsche meine Nudeln los werden und Dieter lief (wie besprochen) alleine weiter. Nach kurzer Zeit (3 min) folgte ich ihm, jedoch ohne Aussicht ihn einholen zu können.
Ho Chi Ming Pfad deshalb weil der Weg nur aus groben Steinen, Baumwurzel und Gestrüpp besteht, für normale Fahrräder unmöglich zu passieren. Hier war es stockdunkel und es war spannend hier zu laufen. Ein Sturz hier hätte das Rennende bedeuten können. Am Ende des Pfades wurde es heller und der Weg wieder besser. Es ging zwischendurch auch noch durch den "Märchenwald", Eulen und Kuckuke waren zu hören. KM 65 passierte ich ohne Blessuren und es ging in den Ort Gerlafingen. Hier sassen viele Leute bei den gerade geöffneten Bäckern und frühstückten, ohne jedoch zu vergessen uns anzufeuern. Ein Schwenk in Richtung Westen zeigte nun entgültig, das es nach Hause geht. Der folgende Streckenabschnitt 70-77 km war durch eine ganz leichte Steigung gekennzeichnet. Was nun, gehen oder laufen? Ich entschied mich zu laufen, was noch gut ging. In Bibern war Versorgungsstand 6, ein Blick um die Ecke zeigte mir, das es um die Ecke steil nach oben ging. Das bedeutete erst einmal eine Gehpause, oben angekommen ging es sofort wieder herunter um erneut anzusteigen. Jetzt hieß es beißen, doch schliesslich ging es endgültig nach "unten".
Ab km 81 ging es die Aare entlang, leider auf der Seite, wo gerade kein Schatten war. Der innere Schweinehund klopfte erneut an, glücklicherweise habe ich ihn nicht reinkommen lassen. Km 90 zeigte an, das es nicht mehr weit war, jetzt hatte ich noch über 1h30min Zeit für die restlichen 10 km. Das sollte zu schaffen sein. Nie mehr 2 stellig. Am vorletzten Getränkestand setzte ich mich kurz hin, 2 Becher Tee und etwas Cola zur Aufmunterung. Bei etwa 93 km erreichten wir die Autobahn, noch eine kleine Steigung und km 95 war geschafft. Jetzt hiess es auf den letzten 5 km über eine befestigte Strasse nicht wieder nachzulassen. Jeder km war jetzt ausgeschildert. 96,97,98 km, diese immer in 7 min, dann kam 99 km, hier stand also das magische Schild, was das Ende des Wettkampfes andeutet. Ich sah nach links, stimmt, da war bereits der Zeltplatz, das Ziel war nicht mehr weit. Aber ein Kilometer kann noch lang sein. Der Zeltplatz kam immer näher, am Lagerplatz von Lauffreund Erhan ging es unter anfeuerndem Gejohle vorbei, dann nur noch um das Eisstadium herum. Auf der Zielgeraden noch einmal etwas Gas geben, die Zuschauer putschen jeden Einzelnen ins Ziel. 100 km, geschafft. Endlich am Ziel!

11h:57m:34s, die Zeit von unter 12h war erreicht.




 

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf

Im Ziel angekommen, war zunächst einmal etwas zu Trinken notwendig. Ich ging schließlich zum Wagen von Renate und Gerd, jedoch war niemand da. So ging ich langsam um das Eisstadion herum und traf sowohl Karl-Ernst als auch Erhan und Johannes, die schon frisch geduscht waren und nicht aussahen, als wären sie 100 km gelaufen. Dieter war verschwunden und so machte ich mich auf den Weg meinen Chip abzugeben, was sich jedoch schwieriger darstellte wie es sich anhört. Die einfachste Übung war den Chip los zubinden, die Hauptschwierigkeit bestand darin die Hände zum Fuß bzw. den Fuß zu den Händen zu bringen. Anschließend gab es noch das Finisher T-Shirt und die Urkunde. So bewaffnet ging es zu meiner Isomatte, die ich in der Sonne ausbreitete. Aber mit welcher Technik setzt man sich hin, wenn man 100 km gelaufen ist? Ein elegantes über das Knie seitlich abrollen brachte mich in eine angenehme Horizontale. So verbrachte ich die nächste Stunde und bewegte die Beine nur leicht schlackernd. Dieter kam schließlich heran gelaufen und wir beglückwünschten uns zum erreichten Ziel. Er war schon geduscht und berichtete von einem Duschwagen in Sichtweite. Ein Blick nach links über die Schulter zeigte, das es satte 127 m bis zur Dusche waren, jetzt hieß es abwägen: Duschen und aufstehen oder liegen bleiben. Ich entschied mich für das Duschen. Die Duschen waren herrlich warm und angenehm. Anschließend ging ich zur Massage, wo die Warteschlange sehr lang war. Ich verbrachte die Wartezeit damit, mit einer ganz reizenden Schweizerin die Erfahrungen der letzten Stunden auszutauschen. Sie hatte vor den 14,5 km Lauf am Nachmittag zu absolvieren, hatte jedoch ein kleines Knieproblem, was sie per Massage behandeln lassen wollte. Nach etwa 45 min wurden meine Beine durch einen Helfer durchgeknetet. Das war sehr angenehm und ich wäre fast eingeschlafen. Das Aufstehen war jedoch immer noch nicht leichter, was aber auch nicht zu erwarten war. Nun galt die Frage zu klären, wo denn der Rest der Truppe abgeblieben war. Renate, Uwe und Wolfgang waren immer noch nicht da. Jetzt war schon 13:00 Uhr und es war ziemlich warm geworden. Also wieder "Schattenliegen" und entspannen. Endlich waren unsere Laufkollegen auch angekommen, jeder für sich erschöpft, aber jeder auch froh es geschafft zu haben.
Um 16:00 Uhr ging es zurück nach Hause, erst zum Bus, dann zum Bahnhof Biel wo Karl-Ernst, Dieter und ich uns noch eine Stange genehmigten. In Basel angekommen stürmten wir einen McDonnalds und schlugen erbarmungslos zu. Die nächste Fettverbrennungstrainingseinheit wäre nach dem Mahl sicher zu überstehen gewesen. Kurze Zeit später ging es in den ICE nach Duisburg. Wir enterten unseren Wagen und liessen und nieder. Mit zum Teil 300 "Sachen" ging es nach Hause. Der mobile Getränkeservice wurde aktiviert, denn Karl-Ernst hatte keine Lust warmes Bier zu trinken. Die Sonne ging schliesslich unter und unsere Gedanken waren beim letzen Tag, wo wir vor nun mehr 24 h gestartet sind. Immer noch unvorstellbar diese Distanz geschafft zu haben. In Düsseldorf verließ uns Karl-Ernst, wir sehen uns sicher wieder in GMH. 15 min später waren wir in Duisburg. Dieter und ich stiegen aus und wir wurden stürmisch begrüßt. Gudrun, Annette, Traudel, Wolfgang, Bernd und Timmi waren erschienen, um uns zu empfangen. Eine sehr schöne Geste, an die ich mich noch lange erinnern werde. Zu Hause angekommen war es schon 0:30 Uhr und es ging ins Bett. Endlich schlafen.
Aber schon um 7:00 Uhr durfte ich wieder aufstehen, da meine Kinder am Tengelmannlauf teilnehmen wollten. Das Aufstehen ging erstaunlich gut und jetzt hatte ich auch wieder Hunger. Beim Tengelmannlauf bin ich natürlich nicht gestartet, jedoch viel gegangen, was für die Regeneration gut war. Am Montag nach dem Lauf bin ich noch einen ganz lockeren 5er gelaufen, am Dienstag nach Biel hatte ich keinen Muskelkater oder andere Beschwerden. Jetzt werde ich erst einmal mindestens eine Woche nicht laufen. Dann geht die Vorbereitung für GMH los, aber das werden ja "nur" 50 km.